Zentrales Büro der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz
Gemeindehaus Speyer – Synagoge Beith-Schalom

Am Weidenberg 3
67346 Speyer
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Gebetszeiten: freitags 18:30 Uhr ; samstags 10:00 Uhr

Eine Voranmeldung für die Gäste telefonisch oder per E-Mail ist erforderlich.

(Bitte Ausweis mitbringen !!!)

 

Es gab eine jahrhundertelange Verbindung zwischen den Städten Speyer (Spira), Worms (Warmaisa) und Mainz (Magenza) – auch SCHUM genannt, aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen dieser Städte. Diese drei Städte am Rhein fungieren als Geburtsorte der jüdisch-aschkenasischen Kultur.
Etwa 500 Jahre lang konzentrierte sich hier das intensive religiöse und bürgerliche Leben.

Vom 11. Jhdt. bis zum 14. Jhdt. haben sich hier jüdische Philosophen und Intellektuelle aus Italien, Frankreich und Spanien versammelt. Die Gemeinden hatten ein allgemeines Gericht und einen Ältestenrat, außerdem Synagogen und Schulen für Männer und Frauen. 40% der Mitglieder der Gemeinden
konnten lesen und schreiben. Jedoch teilten diese Gemeinden das tragische Schicksal des Judentums. Die Gemein-
de in Speyer wurde zur Zeit der Pest (schwarzer Tod) im Januar 1349 praktisch vernichtet.

Im Jahre 1354 hat sich die Gemeinde wieder einigermaßen regeneriert, jedoch blieb die Lebenslage der Juden instabil und nach mehreren Verfolgungen haben fast alle Juden gegen Ende des 16 Jhdt. Speyer verlassen. Sie kehrten erst Anfang des 19. Jhdts. nach Speyer zurück. Für die Juden-Aschkenasim, die auf der ganzen Welt verteilt sind, sind diese drei Städte heilig, sie werden das „Jerusalem Europas“ genannt. SCHUM wurde dem Welterbekomitee zur Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes vorgeschlagen, als besonders bedeutend gelten dabei die Denkmäler der jüdischen SCHUM-Gemeinden. Sowohl das Judenbad als auch die
Synagogen für Frauen und Männer sind bis heute erstaunlich gut erhalten und für Besichtigungen offen. Der mittelalterliche Friedhof in Speyer existiert heute nicht mehr. Es wurden jedoch 50 Gräber gefunden, die aus den Jahren zwischen 1112 und 1443 stammen. Die Beschriftungen auf Hebräisch erzählen uns von den Menschen und deren Leben in der jüdischen Gemeinde in Speyer – einer der bedeutendsten Gemeinden der aschkenasischen Juden.

Die Häuser in der „alten Judengasse“ wurden durch einen Stadtbrand im Jahre 1689
zerstört. An ihrer Stelle wurden im 18. Jhdt. neue Gebäude erbaut. Nach und nach erkaufte die Stadt Speyer die Häuser des jüdischen Viertels, sodass im Jahre 2010 ein Museum an einem symbolischen Datum, dem 9. November, eröffnet werden konnte. Das Museum beherbergt die wichtigsten Erinnerungsstücke des Lebens der
Juden in Speyer: Originalfragmente der Synagogendekoration, des Judenbads, Grabsteine des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs, Bodenfliesen, Gefäße und Münzenschätze.

Es gibt noch eine gute Nachricht aus Speyer: Auf dem St. Guido-Stifts-Platz entsteht eine neue Synagoge. Sie krönt die bedeutenden spirituellen und materiellen Vorkommnisse der Geschichte der Stadt Speyer. Diese Synagoge ist bereits die Dritte in Speyer: Sie ist die Nachfolgerin der ersten Synagoge, die im Jahre 1104 eröffnete und mit der Vertreibung der Juden um 1500 nicht mehr existierte. Die zweite Synagoge, die im Jahre 1837 auf der Maximilianstraße entstand, wurde in der Reichspogromnacht im Jahre 1938 niedergebrannt.

Die dritte Synagoge in Speyer wird im „Jerusalem Europas“ erbaut und ich persönlich glaube fest an ihre glückliche Zukunft.
Maria Kireeva

Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Speyer gehen auf das 11. Jh. zurück, als zur Zeit des Baus des Speyerer Doms in seiner unmittelbaren Nähe jeweils eine Synagoge für Männer und Frauen entstanden. Auch das Judenbad wurde gebaut, welches gemeinsam mit den Ruinen der beiden Synagogen bis heute überdauert hat und nun als eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt fungiert.
Im 18 Jh. wurde durch die jüdische Gemeinde eine  Synagoge auf der Hauptstraße von Speyer gebaut, die zu einem architektonischen Schmuckstück der Stadt wurde. In diesem und den nachfolgenden Jahren befand sich ein großer Teil der Finanzen und des Handels der Stadt in den Händen der jüdischen Unternehmer. Gleichzeitig erreichte die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde ca. 300. Speyer ist ein Zentrum des jüdischen Lebens geworden und blieb es bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten.
In der „Reichskristallnacht“ am 9. November 1938 fand mit der Zerstörung der Synagoge das Leben der jüdischen Gemeinde in Speyer ein jähes Ende.
Seit den 90er Jahren 20. Jh. begann das jüdische Leben in Speyer mit dem Auftauchen der ersten jüdischen Immigranten wieder aufzuleben. Heutzutage ist Speyer einer der Standorte der jüdischen Kultusgemeinde in Rheinpfalz. Unsere Mitglieder leben ein vollwertiges Leben und pflegen  religiöse Traditionen. In den letzten Monaten wurde die Tendenz zur Vergrößerung der Mitgliederzahl unserer Gemeinde deutlich.
Als Basis unserer zukünftigen Arbeit sehen wir die Lösung zweier Aufgaben: Die Wiederbelebung des aktiven religiösen Lebens in der Gemeinde und die soziale Unterstützung unserer Mitglieder. Wir erhoffen uns davon einen Anreiz für neue Mitglieder. Außerdem ist das abwechslungsreiche kulturelle Leben von Bedeutung. Mit dem Bau der neuen Speyerer Synagoge Beith-Schalom haben wir nun einen Ort der Begegnung, wo kulturelle und religiöse Veranstaltungen Platz finden.
Die Geschichte der Juden in Speyer liegt in besonderer Verantwortung unserer Generation der jüdischen Gemeinde. Unsere wichtige Aufgabe sehen wir vor allem darin, dass alle Juden, die in Speyer und Umgebung leben, sich unter dem Dach der Synagoge versammeln. Sie sollen sich nicht nur zu Gottesdiensten treffen, die mit der Rückkehr der Thora nach Speyer möglich geworden sind, sondern sollen auch durch Veranstaltungen am gemeinsamen jüdischen Leben teilhaben.

G. Aschkenasi

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